Zukunftsvisionen: Mobilität aus der Sicht eines Verkehrsplaners

09 02 2015 | Christian Sauer | Kategorie: Mobilitätskonzepte, Zukunftsvisionen | 1 Kommentar

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[Fotos: AS&P GmbH]

In unserer Reihe innovativer Ideen für die Gestaltung der Mobilität der Zukunft betrachten wir heute die Sicht eines Experten für Stadt- und Raumplanung. Michael Dinter ist Mitglied in der Geschäftsführung des weltweit tätigen Architektur- und Planungsbüros AS&P mit Hauptsitz in Frankfurt. Der studierte Bauingenieur hält ein neues Mobilitätsverhalten aufgrund veränderter technischer Möglichkeiten für wahrscheinlich. Beispielsweise ist denkbar, dass Fußballspiele statt real vor Ort im Stadion häufiger zuhause vor dem 3D-Fernseher miterlebt werden oder virtuelle 3D-Online-Shops noch stärker als schon jetzt,Einkaufsfahrten beispielsweise am Samstagnachmittag in überfüllte Innenstädte ersetzen. So könnten Stadtzentren nahezu komplett virtuell mit ihren Online-Shops im Netz nachgebaut werden.

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Ein anderes Szenario betrifft laut Dinter die individuelle Verkehrsmittelwahl: Wie jetzt schon mit Handy-Tarifen könnte man in Zukunft bestimmte „Verkehrs-Kontigente“ buchen, zum Beispiel 30 Kilometer oder Minuten innerorts mit dem Taxi, ein Ticket für eine bestimmte Tarifzone des ÖPNV in Kombination mit Bike- und Car-Sharing-Flatrates. Ähnlich wie im Restaurant oder bei Handy-Tarifen wäre es für Pendler möglich, ein eigenes “Portfolio” zusammenzustellen – je nach eigenen individuellen Mobilitätsbedürfnissen. Grundsätzlich wird das Smartphone im zukünftigen Mobilitätskonzepten nicht wegzudenken sein. Es wird eine, wenn nicht die zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht die verschiedenen Verkehrsmittel für jeden Kunden anzupassen. Abzuwarten bleibt, wer ein möglicher Mobilitätsdienstleister sein könnte, der alles „aus einer Hand“ anbiete. Denkbar seien beispielsweise die Deutsche Bahn, Automobil-Konzern oder ÖPNV-Verbünde. Aber auch Internetgrößen wie Google, Apple oder Microsoft können dank ihrer IT-Kapazitäten die Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel übernehmen und so die Mobilität der Zukunft prägen.

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Verkehrsflüsse könnten auf der Basis von automatisch erhobenen Daten zu Verkehrsdichte, Wetter oder Umweltbelastung intelligent gesteuert werden. Die Daten würden aus den Fahrzeugen selbst erhoben oder stammen von Sensoren am Verkehrsrand oder im Asphalt, wie etwa Induktionsschleifen. Danach können sie in einer Leitwarte ausgewertet und die Verkehrsströme in der Folge intelligent umgeleitet oder Ampelphasen oder Spurregelungen angepasst.  Wie stark Verbraucher von einem intelligenten Verkehrsmanagement profitieren können, zeigt das Beispiel der schwedischen Hauptstadt: In Stockholm werden pro Sekunde insgesamt 250.000 anonymisierte GPS-Daten von Handybesitzern, Stau- und Unfallmeldungen sowie Daten von Sensoren und dem Mautsystem analysiert und so der Verkehr intelligent gesteuert. Die individuellen Fahrzeiten konnten um 50 Prozent sowie das Verkehrsaufkommen und die Treibhausgas-Emissionen um 20 Prozent verringert werden. Quelle: AGITANO

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