FIFA Fußball WM der Frauen:
Green Goal oder Green Washing?

23 06 2011 | Dominik | Kategorie: Gründonnerstag, Umleitung | 0 Kommentare


[Bild: FIFA]

Ab Sonntag findet in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen statt. Die FIFA erhofft sich eine Fortführung der WM-Euphorie von 2006 – und kündigt die Fortführung des Ökokonzepts “Green Goal” von 2006 an. Ich habe bei beidem meine Zweifel…

Dass Frauen erwiesenermaßen fairer spielen, finde ich toll. Nichts nervt mehr als Schwalbenkönige und Drama-Queens wie Christiano Ronaldo, die -kaum berührt- unter schmerzverzogenem Gesicht zu Boden gleiten und sich winden. Dass das Spiel der Frauen langsamer ist, ist wiederum nicht gerade verlockend. Aber hey: Let’s give it a shot! Wer weiß: Vielleicht springt der Funke ja im großen Stil über und wir erleben in den nächsten Wochen eine Welle der Fußball-Euphorie – ich bin gerne dabei.

Aber in Sachen Ökokonzept “Green Goal” muss ich mich jetzt mal aufregen: Die FIFA kündigt großmündig eine klimafaire WM an – dabei kommt mir das Ganze eher vor wie ein halbherziger Versuch in der Hoffnung auf gute Publicity. Aber sehen wir uns das ach so tolle Klimakonzept doch mal gemeinsam an – in guter Griin-Manier natürlich mit Blick auf die Mobilität:

In der Präsentation mit den Bausteinen des Umweltkonzeptes “Green Goal” (zu finden hier) schreibt die FIFA: “Verkehrsemissionen verursachen rund 80 % der Treibhausgasemissionen der WM”. Wow: 80%! Das ist der absolute Großteil: sinnvolle Maßnahmen müssen also vor allem bei der Mobilität ansetzen. Doch dazu fällt der FIFA nicht viel ein (wie das Menü auf der Website zum Ökokonzept zeigt):

Kein Anzeichen von Innovationen oder Investitionen – alles Maßnahmen, die es genauso schon vor der WM gab:

  • Der UmweltMobilCheck: ein seit Juni 2002 existierender CO2-Vergleichsrechner der Deutschen Bahn, der prüft, ob die Anreise mit dem privaten PKW oder mit der Bahn klimafreundlicher ist (ein parteiischerer Partner ist der FIFA wohl nicht eingefallen)
  • Call a Bike: Ein bestehendes Fahrradverleih-System der DB, das mit Fußball rein gar nichts zu tun hat. Man hat sich noch nichtmal die Mühe gemacht, Stationen an die Stadien zu bauen
  • ÖPNV: Man kann mit den Tickets jetzt den ÖPNV benutzen (Hatten wir das nicht schonmal? Sowas wie: immer)
  • Reiseauskunft der Bahn: Gähn… kann sich jeder kostenlos auf der eigenen Website einbinden…

In Sachen Mobilität kann das Fazit nur lauten: Große Worte statt großer Taten.

Fairerweise muss ich sagen: In anderen Bereichen gibt es tatsächlich Bemühungen, Ressourcen zu schonen und vor allem das Thema auf die Agenda zu bringen – und das finde ich gut. Aber der zweite Blick offenbart auch hier Halbherzigkeit: Von 710.000€ Gesamt-Investition in die Stadien ist da die Rede, bei einer jährlichen Einsparung von 300.000€ an Energie- & Wasserkosten. Das führt zu einer Amortisationszeit von 2 Jahren – da würde jeder noch so knallharte Raubtier-Kapitalist investieren – mit Umweltschutz hat das wenig zu tun… Und vor allem: Wenn 80% der Emissionen beim Verkehr auftreten, dann muss man sich auch darauf konzentrieren, um wirklich einen Effekt für die Umwelt zu erreichen – und nicht nur für die PR.

Fazit: Green Goal Washing.


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