Neuigkeiten vom PKW-Label

30 09 2011 | Christian S. | Kategorie: Serienreifes | 1 Kommentar

[Bild: BUND]

Während Greenpeace online das neue Facebook-Profil von Volkswagen mit vielen „Fan-Fotos“ füllte und sich auf der IAA den neuen VW up! vornahm, zeigte der BUND noch einmal, was die Umweltschützer von dem neuen PKW-Label halten. Wir von griin hatten das Vorhaben bereits vor einigen Monaten vorgestellt (Link zum Beitrag im Juli) und zusammen mit den Gewinnern unserer IAA-Aktion die Chance genutzt, an einer hochrangig besetzten Diskussion zu diesem Thema teilzunehmen.

PKW-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung – mindestens so sperrig wie der offizielle Begriff, so umstritten ist und bleibt die neue Kennzeichnungspflicht für Autos, die ähnlich wie bei Elektrogeräten, einen Vergleich verschiedener Modelle hinsichtlich ihrer Effizienz ermöglichen soll. Auf der Messe waren die bunten Balken nun erstmals vor und neben den Fahrzeugen einiger Hersteller zu sehen, bevor die neue Darstellung dann ab 1. Dezember zur Pflicht wird.

[Foto: BMWI]

Während die Automobilwirtschaft – in Person von VDA-Geschäftsführer Dr. Kay Lindemann – das Konzept lobte, musste sich Andreas Jung von der dafür verantwortlichen Deutschen Energie-Agentur (dena) vor allem gegen die Verbraucherschutzverbände verteidigen. Deren Vertreter, Dr. Holger Krawinkel zitierte mehrfach die kritischen Aussagen des Bundesrates zum Gesetzentwurf der Bundesregierung und übte weiterhin scharfe Kritik am Kriterium des Fahrzeuggewichts, das bei der Beurteilung der Effizienz und der Einteilung in entsprechende Klassen ausschlaggebend sein soll.

Neben dem bereits oft bemühten Vergleich eines Kompaktwagens mit einem ebenso starken wie schwerem SUV sowie mit einem Kampfpanzer veranschaulichte ein praxisnahes Beispiel mögliche Konzeptionsfehler des Labels: Der aus Wolfsburg angereiste VW-Manager Dr. Frank Woesthoff erklärte, dass bei dem letztes Jahr weiterentwickeltem Touran das Gewicht um mehrere Kilogramm reduziert werden konnte, allerdings bei identischen oder lediglich leicht verbesserten Verbrauchswerten das Familienauto durch die lobenswerte „Diät“ und die Berechnungsformel paradoxerweise in eine schlechtere Effizienzklasse abrutscht.

[Foto: Volkswagen]

Ganz diplomatisch versuchte er die Verärgerung über das neue Label in beschwichtigende Worte zu packen: „VW fühlt sich weder schlecht noch gut damit.“ Während Woesthoff von einer Art „Unwucht“ sprach, legte der Verbraucherschützer mit Formulierungen aus dem Bundesrat nach: Dort war von einer „verzehrten Darstellung“ die Rede. Damit traf er den Nerv anderer Diskussionsteilnehmer, die wie Bernd Kullmann, Flottenmanager der IDEAL Lebensversicherungen, hinsichtlich Akzeptanz und Nutzen eher skeptisch sind.

Gerade in großen Firmenwagenflotten achte man schon aus finanziellen Gründen auf effiziente Modelle, wobei man bei Fahrleistungen von jährlich 13 bis 15 Millionen Kilometern mit Verbesserungen im Rahmen von Modellwechseln bis zu 100.000 Liter Treibstoff einsparen kann. Kullmann sieht bei den Flottenkunden „wohl keine Akzeptanz“, aber deutlichen Erklärungsbedarf hinsichtlich des neuen Labels.

[Foto: dena]

Auch den Privatkunden droht Verwirrung, wenn durch zukünftige Optimierungen die zum Start geplanten Einstufungsklassen nicht mehr ausreichen sollten. Relativ bald müssten dann – wie bei Elektrogeräten – zusätzliche Klassen oberhalb der zum Start vorgesehenen Topbewertung „A+“ geschaffen werden, was eher für weitere Verwirrung, anstatt für transparente Aufklärung führen könnte. Anders als bei Kühlschrank & Co werden die festen Grenzen zur Einstufung in Hinblick auf zukünftige Gebrauchtwagen auch nicht angepasst werden können – Autos sind eben doch etwas anders als Küchengeräte.

Neben diesen grundsätzlichen Problemen scheinen auch zwei Monate vor der Einführung diverse Details noch nicht gelöst oder noch gar nicht einmal bedacht worden. So bleibt abzuwarten, wie erfolgreich der Start Anfang Dezember verlaufen und sich das Label als Entscheidungsgrundlage für Autokäufer etablieren wird. Wir von griin bleiben skeptisch – und natürlich an dem Thema dran!


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Ein Kommentar


  1. Dominik | 17 10 2011 | 19:44 Uhr

    Wer eine etwas elaborierteres Ökolabel für sein Auto sucht: http://www.gruenskala.de



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