Unter Strom und mit Gas: Mercedes-Benz B-Klasse im Fahrbericht

29 10 2014 | Christian Sauer | Kategorie: Serienreifes | 2 Kommentare

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[Fotos: Mercedes-Benz]

griin-Redakteur Christian Sauer testete die verschiedenen Antriebs-Konzepte wie den Electric Drive und Natural Gas.

Fast zehn Jahre sind seit der Premiere der ersten B-Klasse vergangen, von der über 700.000 Fahrzeuge verkauft wurden. Oft als „Rentner-Auto“ verspottet, versuchte Mercedes bereits 2011 mit der zweiten Generation der B-Klasse gegenzusteuern. Dynamischer sollte sie nicht nur aussehen, sondern sich auch so fahren. Dass dies gelungen ist, zeigen die Zahlen, mehr als 380.000 Exemplare hat Mercedes vom Vorgängermodell verkauft – viele davon an Familien. Aber nun wurde es wieder Zeit für eine Überarbeitung, denn „Erzfeind“ BMW hat mit dem 2er Active Tourer erstmals auch ein ähnliches Konzept mit Frontantrieb und viel Platz bei kompakten Abmessungen ins Programm aufgenommen – allerdings noch ohne alternative Antriebe.

Mercedes-Benz B-Klasse Familie

Trotz oder gerade wegen des Drucks durch die Konkurrenz hält Mercedes weiter am Kurs fest und erstmals ist für die B-Klasse auch eine AMG Line mit sportlichen Details erhältlich. Allerdings wird diese dem B 200 Natural Gas Drive und Electric Drive vorenthalten. Dafür gibt es für den ersten rein elektrisch angetriebenen Mercedes-Benz nach dem (fast) unbezahlbaren Supersportwagen SLS AMG Electric Drive ein spezielles Optik-Paket. Dazu zählen neben der weißen oder blauen Lackierung, Außenspiegel in der jeweiligen Kontrastfarbe sowie weitere blaue Akzente außen wie innen.

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Anders als zum Beispiel bei der ebenfalls kürzlich von uns getesteten Mercedes-Benz S-Klasse Plug-in-Hybrid bringt der elektrische Antrieb keine nennenswerten Nachteile für das Platzangebot in der B-Klasse Electric Drive mit sich. Durch die Unterbringung der Batterien im weiterentwickelten Sandwich-Boden „Energy Space“ beträgt das Ladevolumen alltagstaugliche 501 bis 1.456 Liter bei umgeklappten Rücksitzen. Nur eine einzige Einschränkung gibt es: Die Sitzbank ist nicht wie bei den anderen Varianten der B-Klasse in der Länge verschiebbar.

B-Klasse 2014 B-Class 2014

Im Cockpit fällt das freistehende, bis zu acht Zoll große Display auf, das zahlreiche Funktionen des Comand-Systems anzeigt. Neu ist die Online-Vernetzung dank des serienmäßigen Kommunikationssystems und der Anwendungen von „Mercedes connect me“. Die ansonsten optionalen Remote Online Dienste sind beim Electric Drive serienmäßig an Bord, worüber neben dem Fahrzeugstatus auch die Programmierung der Ladeeinstellungen und Vorklimatisierung sowie die Routenplanung entsprechend der elektrischen Reichweite ferngesteuert werden können. Hinzu kommt die neue Smartphone- und Tablet-App Charge&Pay für Mercedes-Benz für die Suche nach freien Ladesäulen und zur Bezahlung per PayPal. Doch anders, als man vermuten könnte, wird die App ab Dezember vorerst in Deutschland nicht nur für Mercedes- oder smart-Fahrer kostenlos nutzbar sein, sondern auch für andere Marken und Modelle.

Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive, 2014

Überraschend offen geht man auch mit dem Thema Tesla um: Trotz des Verkaufs der Anteile will Daimler weiterhin die Zusammenarbeit fortsetzen und gibt unverhohlen zu, dass fast der komplette Antriebsstrang von Tesla stammt. Natürlich wurden die Komponenten des Model S an die B-Klasse angepasst: So wanderte beispielsweise der 132 kW / 180 PS starke Motor an die Vorderachse. Deren Räder müssen bei unbedarftem Vollgas allerdings kämpfen, um das maximale Drehmoment von 340 Nm auf den Boden zu bekommen. Vor allem auf nasser Straße oder im Winter wird das allseits wachende und auf Sicherheit bedachte ESP einiges zu tun bekommen. Also lieber dann auf den Sport-Modus verzichten, auch wenn die beeindruckende Beschleunigung (0-100 km/h in 7,9 Sekunden) sehr verführerisch ist.

B-Klasse Electric Drive (W 242) 2014 B-Class Electric Drive (W 2

Vernünftiger ist sowieso der Economy-Modus, bei dem die Leistung auf 98 kW begrenzt wird. Per Kickdown können aber auch in diesem Fahrprogramm bis zu 132 kW abgerufen werden. Gleiches gilt für Economy Plus, wo die Leistung auf 65 kW und die Höchstgeschwindigkeit von 160 auf knapp 110 km/h reduziert wird.
Überschüssige Geschwindigkeit verwandelt die knapp 1,7 Tonnen schwere B-Klasse Electric Drive auf mehreren Wegen in elektrische Energie für die Lithium-Ionen Batterie mit einer Kapazität 28 kWh. Neben dem automatischen Modus und drei manuellen Stufen, wobei mit Wippen am Lenkrad die Rekuperations-Stärke gewählt wird, kommen auch Sensoren und Radar zum Einsatz. Analog zum konventionellen Zurückschalten bei starkem Gefälle, wird das Rekuperationsmoment erhöht, um die Beschleunigung abzubremsen. Nimmt die Neigung ab, wird die Bremsenergierückgewinnung ebenfalls wieder reduziert, maximal bis zum Segeln.

Pressefahrveranstaltung Mercedes Benz, B-Klasse,  Mallorca Oktob

Ähnlich intelligent reagiert die Rekuperation, wenn das vorrausschauende Radar des Collision Prevention Assist Plus – der beim drohenden Auffahrunfall bis 40 km/h automatisch bremst – ein langsames oder verzögerndes Fahrzeug sowie ein Verkehrsschild mit Tempolimit erkennt. Aus unserer Sicht fehlt eigentlich nur noch ein besonders effizienter Modus für den Tempomat, der an Steigungen die Geschwindigkeit und somit den Verbrauch senkt, um dann bergab mit Schwung wieder die gewünschte Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen.

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Doch Mercedes bietet darüber hinaus eine andere Möglichkeit an, um möglichst weit mit der elektrischen B-Klasse zu kommen. Dank der Sonderausstattung Range Plus lässt sich die Reichweite um bis zu 30 km auf maximal 230 km erhöhen. Durch Betätigen der entsprechenden Taste in der Mittelkonsole wird beim darauffolgenden Ladevorgang mehr Batterie-Kapazität freigegeben. Da bei zu häufiger Nutzung dieser Funktion die Batterie schneller altern kann, sollte sie nicht zu oft verwendet werden. Außerdem ist ein besonderes Isolierpaket inbegriffen, das wohl für wärmere Länder wenig Sinn machen würde. Deswegen und weil wahrscheinlich nur wenige Kunden die Extra-Reichweite tatsächlich benötigen werden, kostet das Range-Plus-Paket extra.

B-Klasse Electric Drive (W 242) 2014 B-Class Electric Drive (W 2

Zumindest auf absehbare Zeit verzichtet Mercedes bei der B-Klasse Electric Drive komplett auf DC-Schnellladen. Auf unsere Nachfrage begründen es die Experten des Herstellers damit, dass es derzeit noch nicht weit (genug) verbreitet ist und der Aufwand sowie der Preis dafür zu hoch wären. Man beobachtet die Entwicklungen aber natürlich weiter und eine Vollladung in rund drei Stunden an einer öffentlichen Ladestation oder einer Wallbox (400 V, 3 phasig, 16 A) wird den meisten Kunden sicher genügen. An einer Haushaltsteckdose (230 V, 1-phasig, 16 A) dauert es knapp neun Stunden.

B-Klasse Electric Drive (W 242) 2014 B-Class Electric Drive (W 242) 2014

Mercedes stellt übrigens der Batterie ein Zertifikat und somit ein Leistungsversprechen aus: Dieses versichert, dass jede technische Fehlfunktion innerhalb eines Zeitraums von acht Jahren nach Erstauslieferung oder -zulassung bzw. bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern von Mercedes-Benz behoben wird. Die B-Klasse Electric Drive kostet ab 39.151 Euro – zum Vergleich – der BMW i3 startet bei 34.950 und der VW e-Golf kostet mindestens 34.900 Euro.

B200 Natural Gas Drive (NGD); 7G-DCT

Fest steht bereits jetzt, dass der B 200 Natural Gas Drive ab 32.903,50 Euro zu haben ist. Während der Electric Drive im Zwischenboden zwischen den Achsen, unter den Rücksitzen, seine Batterien lagert, sind dort die Erdgas-Tanks installiert. Für Notfälle ist zusätzlich ein kleiner, 12 Liter fassender Benzintank an Bord. Sollte das Gas einmal ausgehen, schaltet das Fahrzeug automatisch auf Benzinbetrieb um. Im Erdgasbetrieb beträgt der Verbrauch des 115 kW (156 PS) starken B 200 Natural Gas Drive 4,2 kg/100 km, was einer CO2 Emission von 115 g pro Kilometer entspricht. Das sind rund 16 Prozent weniger als beim gleichstarken B 200 BlueEFFICIENCY mit Benzinantrieb. Aber nicht nur die Umwelt, auch der Geldbeutel soll geschont werden: Rechnet man den Gas-Verbrauch auf Benzin um, liegt der Preis pro Kilometer die Hälfte darunter. Die Reichweite beträgt rund 500 Kilometer – rund 100 km mehr als im Audi A3 g-tron.

B200 Natural Gas Drive (NGD); 7G-DCT

Selbst der Fahrspaß bleibt dabei nicht auf der Strecke, schließlich beschleunigt der B 200 Natural Gas Drive auf bis zu 200 km/h und aus dem Stand auf 100 km/h in knapp neun Sekunden. Wie beim Electric Drive präsentiert sich das Fahrwerk mit einem ausgewogen Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Für den relativ hohen Aufbau liegt die B-Klasse überraschend gut in Kurven. Noch mehr Dynamik versprechen der Allrad-Antrieb und das Sportfahrwerk, die mit den beiden jeweils stärksten Benzin- und Diesel-Motorisierungen mit bis zu 211 PS kombinierbar sind. So bietet die B-Klasse für nahezu jeden Bedarf und persönlichen Geschmack den passenden Antrieb.


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