Fahrbericht: Kia Optima Hybrid

23 03 2015 | Christian Sauer | Kategorie: Serienreifes | 1 Kommentar

Kia Optima Hybrid
[Fotos: Christian Sauer]

Wir fuhren das zweite Modell vom Kia-Hyundai-Konzern mit (teil)elektrischem Antrieb. Ob die stattliche Limousine überzeugen kann, klärt unser Fahrbericht.

Der 4,85 m lange Wagen war bei seiner Markteinführung Anfang 2013 der erste Hybrid des Kia-Hyundai-Konzerns und sollte den Weg für den neben dem Kia Soul EV ebnen. Für das Modelljahr 2015 bekam der Optima mit zwei Motoren eine Überarbeitung vor allem mit neuen optischen Details. Das mehrfach preisgekrönte Design mit elegant sportlichem Charakter wurde in den Kia-Designzentren in Frankfurt und dem kalifornischen Irvine (Kalifornien) unter der Leitung des Deutschen Peter Schreyer entworfen. Der Kia- und Hyundai-Chefdesigner wurde zugleich zum Präsidenten des Automobil-Konzerns befördert. Er müsste also wissen, was sich Kunden in Europa von ihrem Auto wünschen. Doch der Optima muss sich auch in anderen Märkten inklusive der USA verkaufen. Ob sein Heck deshalb an das Tesla Model S erinnert?

Kia Optima Hybrid

Das wissen wir nicht, aber fest steht, dass die rein elektrisch angetriebene Limousine aus Kalifornien mit seiner großen Heckklappe deutlich einfacher zu beladen ist als der Kia Optima mit seinem traditionellem Kofferraum-Deckel. Und hinter der relativ schmalen Lucke wartet ein verhältnismäßig kleiner Stauraum mit 381 Litern. Die hinter den Rücksitzen installierten Batterien reduzieren das Volumen gegenüber den Optima-Versionen ohne Hybrid-Antrieb um rund 120 Liter.

Kia Optima Hybrid

Wenn Kia auf das Ersatzrad verzichten und durch ein inzwischen oft verwendetes Tire-Fit-Kit ersetzen würde, gäbe es zumindest dort etwas mehr Platz fürs Gepäck. Leider sind die Rücksitze auch nicht umklappbar und gibt lediglich eine Ski-Durchreiche. Das Platzangebot für die Passagiere fällt dafür hinten wie vorn großzügig aus. Unterstützt wird das luftige Raumgefühl zusätzlich durch das zweiteilige Panoramadach und die weiße (Kunst)Leder-Ausstattung in unserem Testwagen. Die beiden Extras fallen mit 990 Euro und 550 Euro nicht nur recht günstig aus, sie sind zudem die beiden einzigen Sonderausstattungen für den Optima Hybrid.

kia_optima_hybrid_fl_my14_006
[Foto: Kia]

Serienmäßig sind neben den schwarzen Teilledersitzen mit elektrischer Verstellung, Beheizung und Belüftung auch weitere Komfortfeatures wie schlüsselloser Zugang mit Aktivierung des Innenlichts bei Annährung, beleuchtete Einstiegsleisten, Lenkradheizung, Infinity-Premium-Soundsystem, Parkassistent und Rückfahrkamera für den 8-Zoll-Touchscreen in der zum Fahrer geneigten Mittelkonsole.

Kia Optima upgrade - Frankfurt 5
[Foto: Kia]

Ihm steht zudem ein 4,6 Zoll großer TFT-LCD-Bildschirm zwischen den analogen Instrumenten zur Verfügung. Er dient als Anzeige für den Bordcomputer und liefert verschiedene Informationen zu den diversen Assistenzsystemen sowie zum Hybrid-Antrieb, vom Energiefluss bis zum „ECO“-Level der momentanen Fahrweise. Das sogenannte „Eco-Aktivsystem“ ist beim Start immer automatisch aktiviert und trimmt die Motoren, das Getriebe sowie die Klimaanlage auf Sparsamkeit. Wer die volle Leistung haben möchte, muss die große Taste am Multifunktionslenkrad drücken. Allein darüber lässt sich Einfluss auf das Hybrid-System nehmen, da auf einen EV-Modus ebenso verzichtet wird wie auf einen Sport-Modus.

Das gesamte Hybrid-System arbeitet vollautomatisch und mit nahtlosen Übergängen zwischen den verschiedenen Antriebsarten. Zum Anfahren und bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h benutzt der Optima Hybrid den 48 PS (35 kW) und 205 Nm starken Elektromotor. Bei stärkerer Beschleunigung oder höheren Geschwindigkeiten aktiviert ein Anlassermotor den 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 150 PS (110 kW) und 180 Nm maximales Drehmoment. Als Parallelhybrid leistet der Kia 177 PS (131 kW) und 319 Nm Systemleistung.

Kia Optima Hybrid

Die rund 1,7 Tonnen schwere Limousine beschleunigt damit in 9,4 Sekunden von null auf 100 km/h und weiter bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Die Kraftübertragung an die Vorderräder übernimmt ein sechsstufiges Automatikgetriebe mit sanften Schaltvorgängen. Die Funktion des üblichen Drehmomentwandlers übernehmen der Elektromotor und eine hocheffiziente Ölpumpe, um den reinen Elektrobetrieb und die maximale Rückgewinnung der Bremsenergie zu gewährleisten.

kia_optima_hybrid_fl_my14_001
[Foto: Kia]

Ausschließlich damit werden die Lithium-Polymer-Batterie (LiPo) geladen, die laut eigenen Angaben exklusiv von Kia und Hyundai in einem Serienfahrzeug eingesetzt werden. Die in Kooperation mit LG Chem entwickelte LiPo-Batterie ist verglichen mit einer Nickel-Metallhydrid-Batterie um 20 % leichter und 40 % kleiner. Zu den weiteren Vorteilen sollen die deutlich reduzierte Selbstentladung – der LiPo-Akku hält seine Ladung über einen 25 Prozent längeren Zeitraum–, die hohe Leistungsabgabe und Energiedichte, die geringe Wärmeentwicklung und nicht zuletzt die Langlebigkeit zählen.

Kia Optima Hybrid

Deshalb gibt Kia auf das gesamte Fahrzeug samt den Batterien eine großzügige Herstellergarantie für sieben Jahre oder 150.000 km. Offiziell sind eine elektrische Reichweite von 1,5 km und der Durchschnittsverbrauch mit 5,1 Liter angegeben, was 119 g/km CO2 entspricht. Laut Bordcomputer haben wir im Schnitt zwischen sieben und neun Liter verbraucht, was natürlich wieder die grundsätzliche Frage nach dem Sinn eines Hybriden ohne externe Lademöglichkeit und ohne größere Batterien aufwirft. Zudem sind zwei weitere, deutlich günstigere Antriebsvarianten für den Kia Optima erhältlich: Ein 1,7-Liter-Diesel mit 136 PS (100 kW) und ein 165 PS (121 kW) starker 2,0-Liter-Benziner, jeweils mit sechsstufigen Schalt- oder Automatikgetriebe.

Kia Optima Hybrid

In jedem Fall positiv zu bewerten sind das ausgewogene Fahrwerk mit dem gelungenen Kompromiss aus Fahrkomfort und Fahrspaß, das hohe Sicherheits- und Qualitätsniveau sowie das gute Preis-Leistungsverhältnis. Die Preise für die aktuelle Limousine reichen von rund 25.000 Euro ohne Hybrid bis knapp 40.000 Euro damit. Die umfangreiche Serienausstattung zeichnete schon damals in den 1990er Jahren die ersten Modelle von Kia aus, die kurz nach Hyundai erstmals nach Deutschland kamen. Heute kämpfen beide südkoreanischen Marken gemeinsam unter deutscher Leistung gegen die europäische und japanische Konkurrenz. Ob die Limousine hierzulande das richtige Format ist, bleibt ebenso fraglich wie die Sinnfrage bei dieser Variante des Hybrid-Antriebes. Die Kombination von Plug-in- und Kombi-Konzept würde die Attraktivität des Kia Optima sicher noch weiter steigern. Mutig ist der Schritt in die Mittelklasse allemal.


Info & Share


    Ein Kommentar


    Ihr Kommentar

    Sie können sich anmelden oder direkt einen Kommentar schreiben:





    Senden