Fahrbericht: Infiniti Q50 S Hybrid AWD

07 07 2014 | Christian Sauer | Kategorie: Serienreifes | 1 Kommentar

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[Fotos: Infiniti]
Mit der sportlichen Mittelklasse-Limousine will die Luxusmarke von Nissan nun auch in Europa richtig durchstarten. Ob das gelingen kann, klärt unser Fahrbericht der Topversion mit Hybrid- und Allrad-Antrieb.

Bis vor kurzem war die Chance, hierzulande einen Infiniti auf der Straße zu sehen, fast null. Dabei bot Nissans Luxusmarke Infiniti, deren wichtigster Markt wie bei Toyotas Pendent Lexus die USA ist, bereits mehrere Modelle an. Doch der japanisch-amerikanische Charakter konnte in Deutschland bislang nur wenige Kunden begeistern. Der Q50 hat nun durchaus das Zeug dazu, die Kehrtwende zu bringen. Nicht nur, dass Sebastian Vettel seit dieser Saison mit dem Namen und Logo von Infiniti werbewirksam auf der ganzen Welt in der Formel 1 unterwegs ist, bei der Konzeption und Entwicklung orientierte man sich am europäischen Geschmack, sowie den hohen Qualitätsstandards.

Infiniti Q50 Hybrid Kofferraum

Groß prangt bei unserem Testwagen der Hybrid-Schriftzug am Kotflügel und die Kombination aus Sportler, Allrad und Stromer klingt vielversprechend. Einen Nachteil bringt der Elektromotor an der Hinterachse allerdings mit sich: Die Batterien, die viele Hersteller platzsparend beispielsweise unter dem Kofferraum unterbringen, sind beim Q50 zwischen diesem und der Rücksitzbank platziert. Dadurch verkleinert sich der Gepäckraum leider um 100 auf 400 Liter und die Sitze lassen sich zudem nicht umklappen. Das ist alles andere als praktisch und für viele Kunden sicher ein Manko.

Infiniti Q50 Hybrid Motor

Schade, denn ansonsten überrascht der 50 kW / 68 PS starke Elektromotor mit viel Einsatzzeit. Sind die Lithium-Ionen-Batterien mit 346 V Leistung und 50 kW Kapazität durch den Benziner oder die Bremsen geladen, gleitet der Infiniti fast lautlos durch die Stadt. Zusätzlich zum Drehzahlmesser gibt es eine Anzeige für den elektrischen Verbrauch oder die Rekuperation. Schon im Standard-Modus lässt es sich gut kontrollieren und das sogar bis 80 km/h. Reicht der Strom nicht mehr aus, schaltet sich der Hauptmotor nahezu ruckfrei dazu. Im Eco-Modus wird sogar der Widerstand des Gaspedals erhöht und eine spezielle Anzeige für optimales Sprit-Sparen kommt dazu. Dennoch liegt der Durchschnittsverbrauch laut Bordcomputer mit rund 10 Liter deutlich über der offiziellen Angabe von 6,8 Liter, was 159 g CO2 entspricht.

Infiniti Q50

Zugegeben, es mag auch am Fahrspaß liegen, den der Q50 vor allem im Sport-Modus bietet. Der Sechszylinder mit 3,5 Liter Hubraum und allein 306 PS spricht dann noch sensibler an. Bei vollem Leistungsabruf kommt der Stromer wieder dazu und mit der Systemleistung von 364 PS sowie 546 Nm Drehmoment schießt der 1,9 Tonnen in 5,4 Sekunden von null auf hundert. Der Topspeed ist mit 250 km/h angegeben. Die 7-Stufen-Automatik schaltet gefühlvoll und lässt sich ebenfalls manuell per Schalthebel oder Schaltpaddel hinterm Lenkrad dirigieren, die sogar beledert sind – das gibt es ansonsten nur bei exklusiven Sportwagen wie von Aston Martin. Doch selbst die müssen (bislang) auf ein Feature verzichten, das im Q50 Weltpremiere feierte.

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Die Steer-by-Wire-Lenkung oder offiziell Direct Adaptive Steering genannt soll schneller ansprechen, einen kleineren Lenkwinkel bieten und störende Vibrationen oder gar Schläge auf schlechten Straßen vermeiden. Wie schon bei Flugzeugen werden die, über Sensoren gemessenen, Steuerimpulse elektronisch über drei Steuergeräte und ohne mechanische Verbindung an einen Elektromotor weitergegeben, der binnen Millisekunden den unteren Teil der Lenksäule und die Zahnstange bewegt. Für den Notfall gibt es – so will es auch der Gesetzgeber – als Backup noch eine Kupplung, die automatisch schließt und eine mechanische Verbindung herstellt, so dass der Fahrer in jedem Fall eingreifen kann. In unserem Test funktionierte die neue Technik problemlos. Die Lenkung reagierte sehr direkt und im Sportmodus noch fester.

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Nicht zu hart, aber für Fahrdynamik optimiert, präsentierte sich das Fahrwerk ohne adaptive Dämpfereinstellung. Von Natur aus mit Heckantrieb konzipiert, bringt die Kraftverteilung an die Vorderräder bei Bedarf noch mehr Traktion und Sicherheit. Speziell die beiden Hybrid-Varianten mit oder ohne Allrad rüstet Infiniti mit einem besonders starken Sportbremssystem samt gegenüberliegenden Kolben aus. Außerdem unterstützen auf Wunsch diverse Assistenzsysteme wie beispielsweise die Active Lane Control und das Abstandsradar. Kameras ringsum sorgen für optimale Orientierung beim Parken der 4,80 m langen und 1,82 m breiten Limousine. Eine Parkautomatik wird hingegen nicht angeboten. Dafür trotzt das Cockpit voll Elektronik. Ein Novum stellt die Bedienung der vielfältigen Multimedia-Funktionen mit gleich zwei Touchscreens und individuellen Apps dar. Da  wundert es schon, dass sich kein Head-up-Display dazu gesellt.

Infiniti Q50 Test Drive in Barcelona

Die Sitze erfüllen mit ihrer elektrischen Verstellung und dem guten Seitenhalt hohe Ansprüche. Gleiches gilt für das Platzgebot – zumindest vorn – hinten macht sich das sportlich-flache Design mit maximal 1,43 m Höhe bemerkbar. Ansonsten gibt es im Innenraum dank guter Ergonomie und hochwertigen Materialen nichts zu kritisieren. Hartplastik sucht man zum Glück fast vergebens, vor allem da, wo man hin fasst oder hin schaut. Natürlich gilt das auch schon für das Einstiegsmodell mit 170-Diesel-PS zu Preisen ab 34.350 Euro. Der Hybrid mit Heckantrieb startet bei 51.356 Euro, Allrad kostet 2.500 Euro zusätzlich. Die Aufpreisliste ist relativ kurz und von Ausstattungspaketen geprägt. Unser Testwagen mit Vollausstattung schlug mit rund 60.000 Euro zu Buche.

Infiniti Q50 Hybrid Christian Sauer

[griin-Redakteur Christian Sauer; Foto: Anja Sauer]

Fazit: Insgesamt hinterlässt der Q50 einen positiven Eindruck. Schade finden wir allerdings, dass die Batterien die Alltagstauglichkeit einschränken und der Verbrauch trotz Hybrid-Antriebes relativ hoch ausfällt.


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