Griin-Fahrbericht: Citroën DS5 Hybrid4
– The next generation!

30 03 2012 | Christian S. | Kategorie: Serienreifes | 1 Kommentar


[Bilder: Griin-Autor Christian]

Noch bevor die ersten Exemplare zu den deutschen Händlern rollten, testete Griin ausgiebig den französischen Newcomer mit Diesel-Hybrid. Wir verraten, wie das
neue System funktioniert und ob es sich im Alltag bewährt hat.

Der Hybrid bleibt eine Brückentechnologie, die eines Tages wahrscheinlich wieder
von der Bildfläche verschwunden sein wird. Dann werden Fahrzeuge mit reinen Elektroantrieb oder völlig andere Mobilitätskonzepte den Alltag der Zukunft prägen.
Die ersten Schritte sind getan, aber bis jeder von uns auf fossile Treibstoffe verzichten kann, wird es noch viele Jahre dauern. Bis dahin lautet die Aufgabe, den Verbrauch weiter zu senken und die Technik – ob mit Hybrid oder ohne – noch effizienter zu machen. Einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung könnte die Kombination aus sparsamem Diesel für Überlandfahrten und emissions- sowie geräuschlosen Elektroantrieb für die Stadt bieten. Seit einiger Zeit arbeiten die Automobilhersteller bereits daran. Am schnellsten hat der französische PSA-Konzern das Etappenziel erreicht. Mit dem Peugeot 3008 Hybrid4 präsentierten sie nämlich letztes Jahr das erste Serienmodell mit Diesel-Hybrid. Wenig später sorgte der Konzern-Bruder Citroën DS5 Hybrid4 mit identischer Antriebeinheit, aber deutlich spektakulärerem Design für Furore.

Wie so oft im Leben ist der erste Eindruck der wichtigste – da macht auch der neue Citroën keine Ausnahme. Schon auf der IAA 2011 polarisierte er mit seinen futuristischen Linien und dem Cross-Over-Konzept. Der DS5 ist nämlich weder Limousine, noch Kombi oder Van und auch kein SUV. Vielleicht fällt der Wagen deshalb so auf und sorgt für Staunen bei interessierten Passanten. Fest steht, mit der stolzen Länge von 4,53 m muss er sich dem Vergleich mit anderen Modellen der Mittelklasse stellen. Üppig ist das Platzangebot vorn, wo wir gern auf bequemen Sportsitzen Platz nehmen und dem Franzosen eine gute Verarbeitungsqualität attestieren können. Unser Testwagen mit der Topausstattung SportChip für rund 50.000 Euro verwöhnt nicht nur mit zweifarbiger Lederausstattung und Massagefunktion für den Fahrer, er bietet auch jede Menge technischer Highlights.

Die digitalen Instrumente samt dem ausfahrbaren Head-Up Display mit teils farbiger Darstellung der Geschwindigkeit und Navigationshinweisen lässt das Gefühl aufkommen, im Cockpit eines Flugzeuges zu sitzen. Diesen Eindruck unterstreichen zusätzlich die unter dem mehrteiligen Glasdach zu findenden Knöpfe. Allerdings gelingt die Bedienung zuerst nicht wirklich intuitiv und erfordert etwas Eingewöhnung. Während die Gestaltung des Innenraumes in unserer Redaktion überwiegend auf Begeisterung stieß, fielen die Platzverhältnisse in der zweiten Reihe und im Kofferraum eher negativ auf. Die Akkus sind nämlich über dem Elektromotor an der Hinterachse verbaut und reduzieren so nicht nur die Größe des Stauraums von 468 Liter in den „normalen“ Versionen auf 325 Liter, sondern auch den Nutzwert. Er ist so flach, dass normale Wasserkisten von der Höhe her kaum hinein passen. Ein ähnliches Gefühl könnte auch groß-gewachsenen Passagieren drohen, die wegen der relativ hohen Sitzposition unfreiwillig Kontakt mit dem Dachhimmel machen.

Aber wie fährt sich der Diesel-Hybrid? In Anbetracht der komplexen Technik – PSA Peugeot Citroën hat für die Entwicklung des Systems rund 300 Patente eingereicht – lässt sich der DS5 relativ einfach und unkompliziert bewegen. Das serienmäßige Automatikgetriebe lässt sich entweder mit einem kleinen metallischen Joystick auf der breiten Mittelkonsole oder manuell per Schaltpaddels hinterm Lenkrad bedienen. Dem Getriebe, das sich für manche Gangwechsel etwas viel Zeit nimmt, würde ein bisschen Feinschliff ebenso gut tun, wie dem Fahrwerk. Es gibt sich für ein Auto aus Frankreich überraschend straff – fast schon hart – ohne jedoch konsequent sportlich zu sein und auf Untersteuern zu verzichten. Vielleicht legt Citroën später ja noch nach und bietet ein adaptives Fahrwerk an, das Komfort und Sport harmonischer miteinander verbindet. Wenn es in alter Citroën-Tradition noch die Möglichkeit der Höhenverstellung gäbe, würde der DS5 Hybrid zum echten Allrounder werden, denn den Allradantrieb hat er
jetzt schon an Bord.

Während der 2 Liter große Dieselmotor mit 163 PS die Vorderräder antreibt und/oder die Akkus auflädt, überträgt der Elektromotor im Allrad-Modus seine Kraft von maximal 37 PS an die Hinterräder. Hilfreich ist das beispielsweise im Winter beim Anfahren auf Eis und Schnee. Zugleich ist der gekoppelte Antrieb die Grundlage für den Sportmodus, bei dem der Elektromotor kurzzeitig bis 120 km/h für den „Boost“ zuständig ist. Zusammengeschaltet leistet das System 200 PS und ein ansehnliches Drehmoment von 450 Nm. So gerüstet, erreicht man in 8,6 Sekunden 100 km/h und mit etwas Anlauf die Höchstgeschwindigkeit von 211 km/h. Wer auf der Autobahn so flott unterwegs ist und richtig Gas gibt, wird mit über sieben Liter Durchschnittsverbrauch bestraft. Das ist deutlich mehr und als der offizielle Wert, der mit 3,8 Liter oder 99 g CO2-Ausstoß angeben ist. Den können wir im Sport-Modus aber garantiert nicht erreichen, denn
der rein elektrische Betrieb ist darin ausgeschlossen.

Wer den erleben will, muss per Drehschalter „Auto“ auswählen. Dann entscheidet der Wagen von sich aus, wann der Elektromotor optimal eingesetzt werden kann. Sobald die Akkus durch Energierückgewinnung beim Bremsen oder durch den Dieselmotor ausreichend aufgeladen sind, kann bis zu einer Geschwindigkeit von 70 km/h rein elektrisch gefahren werden. Ausnahmen bilden niedrige Außentemperaturen, hoher Stromverbrauch durch Klimaanlage & Co. oder starke Beschleunigungen, beispielsweise an Ampeln oder Autobahnauffahrten. Dann greift der Verbrennungsmotor unterstützend ein, was kaum zu bemerken wäre, wenn der grundsätzlich etwas laute Diesel die Ruhe des Elektrobetriebes nicht unterbrechen würde. Unabhängig davon, funktioniert das Zusammenspiel beider Antriebe ausgesprochen gut: Bei Überlandfahrten glitten wir regelmäßig rein elektrisch durch kleine Ortschaften, bevor auf der Landstraße wieder der Wechsel erfolgte. Dabei pendelte sich unser Durchschnittsverbrauch zwischen fünf und sechs Litern ein,
wobei es mit Sommerreifen wahrscheinlich weniger gewesen wäre.

Wer möglichst lange und weit komplett ohne fossile Energieträger unterwegs sein will, für den gibt es den vierten Modus, ZEV (Zero Emission Vehicle). Bei vollen Akkus und „normalen Fahrbedingungen“ steht so eine elektrische Reichweite von bis zu vier Kilometern zur Verfügung und das bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Die Leistung eines Tesla Roadster sollte man natürlich nicht erwarten, aber zum Mitschwimmen im Großstadt-Verkehr reicht es allemal aus. So macht der Franzose selbst auf dem Weg zum kurzen Bäcker kein schlechtes Gewissen – zumindest im Idealfall als Stromer – wenn alles passt. Trotz einiger Einschränkungen und der Kritik an ein paar Details geben wir den neuen Citroën nur ungern wieder ab. Mit seinem innovativen Antriebskonzept und dem schicken Design ist der DS5 Hybrid4 derzeit
eines der außergewöhnlichsten „Green-Cars“, das käuflich zu erwerben ist.

Zum „favorite Griin-Car“ reicht es allerdings nicht ganz, denn sogar ohne die Luxus-Ausstattung unseres Testwagens wird der Diesel-Hybrid mit mindestens 37.540 Euro Anschaffungspreis für viele Interessenten zu teuer sein. Für die mehr als 5.000 Euro Aufpreis zu den vergleichbaren DS5-Modellen ohne zusätzlichen Elektro- aber mit gleichem Dieselmotor, bekäme man auch schon ein praktisches E-Bike. Diejenigen, die sich den DS5 Hybrid4 leisten können und wollen, werden ihn wahrscheinlich unwillkürlich doch mit anderen Diesel-Fahrzeugen vergleichen. Die bieten zum ähnlichen Preis (oder weniger) ähnliche Verbrauchswerte auch ohne Hybrid und etwas mehr Prestige als ein Citroën noch dazu. Vielleicht schafft es der DS5 Hybrid4 – ähnlich wie der Opel Ampera – alte oder gar veraltete Wertevorstellungen zu überwinden und zum Trendsetter für die nächste Generation zu werden.

Wir von Griin sind gespannt und bleiben dran!


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