griin-Fahrbericht: Tesla Roadster Sport 2.5

05 10 2011 | Christian S. | Kategorie: Serienreifes | 1 Kommentar

[Foto: Anja Sauer]

Wer Tesla dieses Jahr auf der IAA in Frankfurt suchte, suchte vergebens. Daheim im kalifornischen Palo Alto im sagenumwobenen Silicon Valley wird derzeit auf Hochtouren an der finalen Serienversion der Elektrolimousine Model S gearbeitet und so ließen die Amerikaner die größte Automesse der Welt aus. Umso mehr freuten wir von griin uns, den Roadster Sport 2.5 – die neueste Evolutionsstufe des offenen Elektrosportwagens – bei schönstem Herbstwetter fahren zu können.


[Foto: Anja Sauer]

Deshalb als erstes das Verdeck auf bzw. ab, denn bei aller Elektronik ist dabei noch Handarbeit angesagt. Schnellspanner gelöst, Verstrebungen entnommen und die Stoffplane zusammengerollt – das war es schon und dauert mit etwas Übung nicht länger als eine Minute. Platz findet das Set im Gepäckabteil im Heck, wo die Lithium-Ionen-Akkus und der Elektromotor den meisten Platz beanspruchen. „Oben ohne“ steigt man mit dem rechten Fuß am besten zuerst über den breiten Seitenschweller ein, um dann – hoffentlich gelenkig genug – hinter das kleine Lenkrad und in die schmal geschnittenen Schalensitze gleiten zu können. Diese lassen sich zwar nur in der Länge verstellen, bieten dafür aber guten Seitenhalt. Einmal Platz genommen, fühlt man sich wie in einem fest geschnürten Turnschuh und dem Asphalt ebenso nah.

[Foto: Anja Sauer]

Den wollen wir nun endlich unter die Räder nehmen und drehen den Zündschlüssel. Bunte Lämpchen blinken auf, aber ansonsten bleibt Totenstille – haben wir etwas falsch gemacht? Nein, der Elektromotor läuft bereits und verharrt im Parkmodus. Es fehlt also nur noch ein Knopfdruck, um das stufenlose Getriebe in den Fahrmodus zu bewegen und los geht es!

[Foto: Anja Sauer]

Völlig geräuschlos rollen wir an und schnell wird klar, dass dank der schwergängigen Lenkung das Fitnessstudio heute ausfallen kann. Das erinnert stark an die Zeiten, als Autos noch ohne Servolenkung auskamen und disqualifiziert den Tesla als typisches „Frauenauto“. Die Federung steht in ihrer Härte der Lenkung kaum nach, gibt Straßenunebenheiten ungefiltert an Fahrer und Beifahrer weiter. Dass der Tesla Roadster zu Recht den Zusatz „Sport“ im Namen trägt, beweist er beim Tritt auf das Gaspedal. Ansatzlos, ohne den Hauch einer Verzögerung fällt das mächtige Drehmoment von 400 Nm über die Hinterräder her. Ohne die Traktionskontrolle würden sie sich in Rauch auflösen und selbst mit sensiblem Gasfuß ließen sich schwarze Spuren auf der Straße kaum vermeiden. Doch dank der Elektronik gibt es kein Halten mehr – gerade auf den ersten Metern gibt es für den Tesla derzeit keine wirkliche Konkurrenz. Während die PS-Boliden mit Benzin im Tank erst Drehzahl aufbauen müssen, passiert der Stromer schneller, als man Luft holen kann, die innerstädtische Höchstgeschwindigkeit.

[Foto: Anja Sauer]

Wer jetzt nicht reaktionsschnell genug das Pedal lupft, ist einen Wimpernschlag später bereits bei Tempo 100 und seinen Führerschein los. Tesla gibt für den Sprint auf 60 Meilen (97 km/h) 3,7 Sekunden offiziell an, was die meisten konventionellen Sportwagen deklassiert. Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass diese mit steigender Drehzahl wieder den Anschluss finden und auf freien Autobahnen deutlich schneller sind. Hier fühlt sich der Tesla mit der relativ bescheidenen Höchstgeschwindigkeit von knapp über 200 km/h auch nicht so wohl: Offen tobt dann im Cockpit ein Orkan und anders als bei Benzinern steigt der Verbrauch selbst bei gleichmäßiger Fahrt deutlich stärker als bei sportlicher Fahrweise auf der Landstraße an.

[Foto: Anja Sauer]

Das ist auch eher das bevorzugte Terrain des Roadsters. Sobald die Sportbremsen einmal auf Temperatur gekommen sind, bringen sie den Wagen zusammen mit dem starken Bremseffekt des Elektromotors auf kürzestem Weg zum Stand. Die Lenkung, die in der Stadt eher negativ auffiel, ermöglicht in freier Natur ein nahezu perfektes Handling. Der knapp 1.250 kg leichte Sportler mit Aluminium-Monocoque und handgefertigter Karosserie aus Carbon liegt satt in der Kurve.  Ein Grund dafür ist die ausgewogene Gewichtsverteilung trotz des Mankos der rund 400 kg schweren Lithium-Ionen-Akkus. Diese sollen über 160.000 km halten und mit einem Stark-Strom-Anschluss in 3,5 Stunden wieder vollständig aufgeladen sein. Bei gemächlicher Fahrweise reicht das dann für ca. 350 km, wobei jeder Stromfresser an Bord und vor allem die Klimaanlage die Reichweite deutlich reduziert. Gleiches gilt für den Performance-Modus, in dem die theoretisch 288 PS (215 kW) wie bei unserer Testfahrt richtig zeigen, was sie leisten können.

[Foto: Anja Sauer]

Die jeweilige Kraftausbeute zeigt zum einen der rechte Zeiger der Instrumente, der den  Drehzahlmesser ersetzt. Zum anderen gibt ein Farbdisplay in der schmalen Mittelkonsole Auskunft über die erlebten G-Kräften in Kurven, die eigene Fahrweise und die noch verbleibende Energie. Unser Test zeigte, dass man den genauen Anzeigen guten Gewissens glauben kann und noch genügend „Saft“ für ein paar schnelle Runden in den Akkus war. Also noch ein paar Mal die beeindruckende Beschleunigung am eigenen Körper erfahren, denn bei einem Grundpreis über 100.000 € bleibt der Tesla Roadster S leider viel zu oft ein unerfüllbarer Traum.

[Foto: Anja Sauer]

Mit Vollausstattung wie bei unserem Testwagen sind sogar über 140.000 € fällig. Dann glänzt der Innenraum nicht nur mit guter Verarbeitung, sondern auch mit feinem Leder und teuren Carbon-Blenden. Trotz der hohen Preise müssen sich die Besitzer allerdings mit dem nicht optimalen Touchscreen-Navi und einigen Bedienelementen aus Opel-Modellen anfreunden, die nicht so recht zum Gesamteindruck des High-Tech-Flitzers passen. Abgesehen von solchen Details gibt der Tesla drei Jahre nach seiner Markteinführung in der neusten Version 2.5 wenig Grund zur Kritik. Er ist ausgereift, hat eine deutlich größere Reichweite als die meisten Elektroautos und auch wenn die immense Leistung nicht aus dem „Nichts“, sondern aus der Steckdose kommt, bleibt die Ökobilanz verglichen mit anderen Sportwagen lobenswert. Dabei macht der Tesla verdammt viel Spaß!

[Foto: Anja Sauer]


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Ein Kommentar


  1. Dominik | 05 10 2011 | 22:44 Uhr

    Schade, dass der Tesla nur zwei Sitze hat und nicht die gesamte Griin-Redaktion darin Platz gefunden hat… ;)

    griin.de



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