BMW i3 im ersten Fahrbericht – Es wird Zeit für den griin-Test

18 10 2013 | Christian Sauer | Kategorie: Serienreifes | 3 Kommentare

BMW i3 Fahrbericht griin.de

[Der BMW i3 auf Testfahrt in Holland, Fotos: BMW]

Nachdem wir den BMW i3 bei seiner Weltpremiere in London schon im Stand und auf der IAA in Frankfurt als Beifahrer erleben konnten, war es nun Zeit für einen Selbstversuch – hier der Fahrbericht  von griin-Redakteur Christian Sauer aus Amsterdam.

Warum findet die Internationale Fahrveranstaltung gerade in Holland statt? Will BMW nun auch noch die Fähigkeiten des elektrischen Multitalents i3 als Zugfahrzeug für Wohnwagen beweisen oder eine Amphibienversion für die Grachten präsentieren? Genug der Scherze, die Niederlande und speziell der Großraum Amsterdam bieten sich aus vielerlei Gründen an. Wie beispielsweise auch Norwegen fördert unser Nachbarland Elektrofahrzeuge nicht nur steuerlich, sie können vieler Orts ebenfalls kostenlos parken und sogar gratis aufladen. Doch dazu später mehr, schließlich ist unser i3-Testwagen voll geladen und zeigt knapp über 160 km Reichweite an. Das sollte doch locker für die von BMW empfohlene Route zum Küstenort Zandvort und zurück nach Amsterdam reichen, oder?

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[Der BMW i3 rollt serienmäßig auf 19 Zoll großen Leichtmetallrädern mit speziell für ihn entwickelten Leichtlaufreifen.]

Über das Design des i3 lässt sich trefflich streiten – einige loben es als mutig und modern – andere als hässlich und skurril. Davon sollte sich am besten jeder selbst ein Bild und eine Meinung machen. Bemerkenswert ist, wie viel Platz der nur 3,99 m kurze BMW innen bietet. Durch das separate Fach für Ladekabel, Warndreieck & Co. im Frontbereich, wo bei anderen Autos der Verbrennungsmotor zu finden ist, lässt sich im 260 Liter großen Kofferraum im Heck locker das Gepäck für zwei Personen verstauen. Falls nötig, sind zudem die Rücksitzlehnen umklappbar. Wer den Weg in die zweite Reihe sucht, muss jeweils erst die vordere Tür öffnen und dann erst die gegenläufige hintere Tür. Ob das im Alltag praktikabel und sinnvoll ist, sei dahingestellt. Ebenso fraglich bleibt, ob die Vergrößerung der Seitenscheiben hinten es aufwiegen kann, dass sich diese nicht öffnen lassen. Wahrscheinlich werden sowieso zumeist nur ein oder zwei, recht wohl situierte Großstadtbewohner die Besatzung des Stromers bilden. Sie erwartet ein futuristisches Cockpit mit einem bis dato so noch nicht gesehenen Materialmix aus natürlich bearbeitetem Leder oder Wolle, offenporigem Eukalyptusholz und Recycling-Elementen aus Fasern der Kenaf-Pflanze.

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[Zurück in die Zukunft: Blick ins Cockpit des i3 mit der Ausstattungslinie „Suite“.]

Während die Verarbeitung einen hochwertigen Eindruck hinterlässt, wirkt die Mixtur aus gewöhnlichen Knöpfen anderer BMW-Modelle zusammen mit neuen Bedienelementen weniger stimmig. Das stufenlose Automatikgetriebe lässt sich mit einem Drehschalter seitlich neben dem zweispeichigen Lenkrad bedienen. Zusätzlich zum hochauflösenden, 10,2 Zoll großen, Display in der Mitte gibt es ein weiteres 5,7-Zoll-TFT-Display anstelle konventioneller Instrumente. Doch nach dem geräuschlosen Start des Motors zeigt sich allerdings, dass nur auf einem recht schmalen Streifen die wichtigsten Infos wie Geschwindigkeit und Reichweite angezeigt werden. Auf ein Head-Up-Display musste BMW beim i3 verzichten, da sich das Armaturenbrett ähnlich wie in einem Van viel Luft zur Windschutzscheibe lässt. Die hohe Sitzposition erinnert ebenfalls daran und könnte den edlen Elektro-Kleinwagen dadurch vielleicht sogar zur Alternative für SUV-Interessenten machen. Trotz der kompakten Maße und des geradezu winzigen Wendekreises von nur 9,86 m, gestalten sich Rangierversuche zuerst etwas schwierig, da wir das vordere und hintere Ende des i3 nur erahnen können. Gegen Aufpreis gibt es ringsum Parksensoren und eine Rückfahrkamera.

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[Fast so wendig wie ein Fahrrad verbreitete der i3 auch zwischen den Grachten „Freude am Fahren“.]

Auf den ersten Metern merken wir schnell, wie flott sich der i3 dank seines relativ geringen Gewichts von 1,2 Tonnen in Verbindung mit dem 125 kW (170 PS) starken Elektromotor bewegen lässt. Nur 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 gibt BMW an. Die Beschleunigung erinnert schon etwas an die bereits früher von uns getesteten E-Sportwagen Tesla Roadster, Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive und Audi R8 e-tron. Der Vorwärtstrieb endet elektronisch begrenzt bei 150 km/h, was auf holländischen Straßen mit generellem Tempolimit von 130 km/h völlig ausreicht. Der Weg dahin ist aber sehr kurzweilig und unterhaltsam. Der Wagen liegt sehr sicher und ruhig auf der Straße. Die Lenkung setzt Richtungsänderungen direkt um – so ist „Freude am Fahren“ garantiert.  Ob einige der anderen Verkehrsteilnehmer den fabrikneuen BMW erkannt haben und mal einen Blick von vorn erhaschen wollen oder immer schneller sein wollen – egal – mit dem i3 haben wir meistens die Nase vorn und die erstaunten Blicke auf unserer Seite. Zwar wirken sich bei Elektrofahrzeugen sportliche Zwischensprints nicht so dramatisch auf den Verbrauch aus wie bei Verbrennern, aber dennoch wollen wir es ja nicht übertreiben. Also Fuß vom Gas und bloß nicht die Rekuperation vergessen!

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[Bei der Beschleunigung auf 100 km/h hat der Elektro-BMW mit 170 PS meist die Nase vorn.]

Allein dadurch verzögert der BMW i3 so stark, dass die eigentlichen Bremsen während unserer Testfahrt kaum zum Einsatz kommen mussten. Etwas Gewöhnung braucht es allerdings (wieder), denn die Wirkung ist deutlich stärker als die sog. Motorbremse in Autos mit konventionellem Antrieb. Öfters als uns lieb ist, kommen wir in den „Genuss“ der Rekuperation, denn „Drempel“ sind auf niederländischen Straßen omnipräsent. Wie gut, dass der BMW diese entspannt meistert. Hier zeigt sich positiv der gefundene Kompromiss zwischen Fahrdynamik, Komfort und Sicherheit. Je nach Budget können verschiedenste Assistenzsysteme bestellt werden, ABS und ESP sind natürlich serienmäßig an Bord. Das ist auch gut so, gerade wenn das volle Drehmoment von 250 Nm bei Regen oder gar Schnee auf die Hinterräder losgelassen wird. Wie sich der i3 im Winter machen wird und ob die Reichweite analog zu anderen E-Autos bei Minusgraden deutlich geringer ausfällt, können wir an dieser Stelle natürlich noch nicht beurteilen. Fest steht, wir erreichen das Zwischenziel in Zandvoort an der Nordsee mit rund 80 km Reserve.

BMW i3 Amsterdam 2013 Christian Sauer griin

Die Frage, ob die Reichweite bis nach Amsterdam reicht und welche besondere Rolle das Smartphone im neuen BMW spielt, beantwortet griin-Redakteur Christian Sauer im zweiten Teil unseres großen i3-Fahrberichts.


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    3 Kommentare


    1. Markus | 13 07 2014 | 15:39 Uhr

      Also ich weiß nicht, ob ich mich je mit dem Design des i3 anfreunden werde. Besonders der seitliche Knick ist nicht mein Fall und ich glaube, man hätte noch mehr Erfolg, wenn man dem klassischen BMW Design treu geblieben wäre. Trotzdem muss man BMW für die Entwicklung eines reinen Elektrowagens wirklich Respekt zollen und ich hoffe, dass er den nötigen Absatz finden wird. Wobei die Vorbestellungen ja Anlass zur Freude bei BMW geben sollten.

      autoversicherung123.com



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