Velogista: Transportrevolution aus dem Hinterhof

01 10 2014 | Christian Sauer | Kategorie: Mobilitätskonzepte | 2 Kommentare

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[Fotos: Velogista]

Die noch junge Berliner Logistik-Genossenschaft plant aus einem Hinterhof heraus die ökologische und soziale Transportrevolution – und das nicht nur in der Hauptstadt.

Velogista startet als neuer Anbieter für nachhaltige Logistik gerade dieser Tage eine Crowdfundingkampagne zur Finanzierung weiterer Elekt­ro-Schwerlasträder und tritt an, die gegenwärtigen Herausforderungen in urbanen Räumen zu lösen. Das große Ziel ist eine lebenswertere Stadt für alle. Ökologisch intelligent mit weniger CO2- und Feinstaubbelastung, weniger Autos auf den Straßen, weniger Lärmbelastung und zufriedeneren Menschen – klingt erstmal nach einer großen Vision und Mission.

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„Unser Ziel ist es, zwei weitere Elektro-Lastenräder über das Crowdfunding zu finanzieren“, sagt Martin Seißler, der Initiator und Gründer Velogistas. „Dafür sind 20.000 Euro als erstes Ziel der Kampagne definiert“, so Seißler weiter. „Alles, was über diesen Betrag hinaus geht, wäre natürlich fantastisch. Sinnvolle Ver­wendung hätten wir selbstverständlich. Beispielsweise beziehen wir bald unse­ren neuen Standort und wollen ein Berliner Lastenradzentrum aufbauen. Es gibt noch viel zu tun.“, meint Seißler weiter und lacht. Um Velogistas Dienstleistung ef­fektiv einsetzen und eine merkbare Veränderung im Straßenbild hervor zu rufen, muss der Fuhrpark so schnell wie möglich weiter aufgebaut werden. Derzeit ar­beiten alle bei Velogista – bis auf die Fahrer*innen – unentgeltlich, um ihre Vision der City-Logistik zu verwirklichen. Alle Gewinne zum Aufbau ihres Mammutpro­jekts fließen momentan ausschließlich in die Bezahlung der Fahrer*innen und der Weiterentwicklung des Business. Deswegen ist das junge Unternehmen auf die Unterstützung derer angewiesen, die Teil der gemeinsamen Vision sein wol­len. Das Büro der sich in Gründung befindlichen Genossenschaft liegt in einem typischen Kreuzberger Hinterhof.

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Dort wird an spezieller Tourenplanungssoftwäre getüftelt, die Räder entwickelt und an den Prozessen gefeilt. Oft bis tief in die Nacht. Der ganz große Wurf soll es werden, von einer handvoll Innovatoren, die ihre Überzeugung selbstbewusst nach außen tragen. In ein paar Jahren wollen die Macher mehr Elektro-Lastenräder als Transportfahrzeuge auf den Straßen sehen. Ein ambitioniertes Unterfangen, wenn man sich die Stärke der Autolob­by und die Liebe der Deutschen zu ihrem bevorzugten Gefährt vor Augen hält. Ein Kundenstamm von jetzt schon über 30 zufriedenen Velogista-Kund*Innen spricht eine deutliche Sprache und zeigt, dass der Bedarf an ökologisch intelli­genten Transporten durchaus vorhanden ist. Eine grünere und lebenswertere Stadt ist für alle erstrebenswert und im Bewusstsein der Menschen angekom­men.

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Am 13. Mai 2014 wurde die Genossenschaft Velogista gegründet. Das Ge­schäftsziel der Genossenschaft ist die Etablierung nachhaltiger City-Logistik in urbanen Räumen. Zukünftig soll das von Velogista entwickelte Modell nämlich auch auf andere deutsche Städte übertragen werden. Der Bedarf ist da. Mit dem europäischen Auge betrachtet hinkt Deutschland hier massiv hinterher. Neben diesem ökologisch sinnvollen Ansatz steht für Velogista eine sozial sinn­volle Organsationsform im Fokus, die in der Logistikbranche bislang einzigartig und revolutionär ist: Die Genossenschaftsmitglieder partizipieren an Entschei­dungen und Gewinnen ebendieser. Die Fahrer*Innen sind sozialversicherungs­pflichtig angestellt und nach Mindestlohn bezahlt. Hier liegt der gravierende Unterschied zu konventionellen Anbietern wie beispielsweise DHL, Hermes oder Kurierdiensten, aber auch die Chance des Davids gegen die allgegenwär­tigen Goliaths. Diese drängen ihre Fahrer*Innen oftmals als Subunternehmer in die Scheinselbstständigkeit und somit in prekäre Beschäftigung. Velogista geht hier einen mutigen Schritt und handelt konträr zu einer ganzen Branche. Funktioniert diese Herangehensweise, wird sie für Furore im Sektor von Trans­port und Logistik sorgen. Und hoffentlich zahllose Nachahmer finden.

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Das Transportmittel der Wahl ist das Elektro-Lastenrad. Als Neuheit hierbei lässt sich die Unterstützung durch einen kräftigen und dennoch sparsamen Elektromotor nennen, der es möglich macht, dass man ohne größere Anstren­gung und mit nur einer Akkuladung bis zu 100km Fahrtstrecke zurücklegen kann. Auch bei der Transportkapazität ihrer Fahrzeuge setzt Velogista neue Maßstäbe: Es werden locker bis zu 250 kg Zuladung und komplette Europa­letten transportiert. So werden schon jetzt effektiv konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ersetzt. Der Markt hierfür besteht zweifellos. Laut Statistik kann bereits heute über die Hälfte der Gütertransporte im City-Bereich mit Lastenfahrrädern durchgeführt werden. Nur hat es bisher noch niemand getan. Das verwundert besonders, wenn man eine Vergleichsrechnung an­stellt: Vergleicht man zwei Elektro-Lastenrädern von Velogista mit Fahrzeugen, die in der Stadt mit Diesel-Kraftstoff fahren werden in nur einem halben Jahr mehr als 5.000 kg CO2 eingespart. Die Hochrechnung macht deutlich, welches Potenzial hier schlummert.

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Für alle Stadtbewohner bedeutet die Nutzung von Elektro-Lastenrädern zum innerstädtischen Transport ein Mehr an Lebensqualität und Sicherheit: Kein Ausstoß von CO2 und keine Belastung durch Feinstaub, keine zusätzliche Lärm­belastung, kein Parken in zweiter Reihe sowie eine bessere Ratio zwischen La­dungsgewicht und Fahrzeuggewicht als jedes (Elektro)auto es erreichen kann. Das Rad selber wiegt ca. 60 kg und transportiert 250kg. Bei konventionellen Fahrzeugen ist diese Ratio mit ca. 1000 kg Fahrzeuggewicht für die gleiche La­dekapazität weitaus schlechter. Das spart natürlich Energie. Weiterhin schont Velogista die städtische Infrastruktur und liefert durch die effiziente Nutzung der Wege schneller und näher zum Bestimmungsort als Konkurrenzanbieter. Kein anderes Lieferfahrzeug kann zur Lieferung oder Abholung z.B. bis in den dritten Berliner Hinterhof fahren.


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