Unterwegs mit Frank M. Rinderknecht und seinem E-Auto Rinspeed BamBoo

02 09 2011 | Christian S. | Kategorie: Mobilitätskonzepte | 0 Kommentare

Oft wird er mit Daniel Düsentrieb, dem genialen wie leicht verrückten Erfinder aus den Comics von Walt Disney verglichen, und die „WELT“ betitelte ihn als „Porschefahrer mit Öko-Tick“. Wir von griin sprachen mit Frank M. Rinderknecht über seine Visionen der Mobilität in der Zukunft.

„Bin ich verrückt? Ja, denn verrücken bedeutet bewegen!“ Die Frage hat der Mitfünfziger aus der Schweiz wohl schon oft gestellt bekommen, und die Antwort passt zu ihm und seinen spektakulären Gefährten. Sein neuestes Werk, das Elektromobil BamBoo, welches auf dem diesjährigen Automobil-Salon in Genf vorgestellt wurde, hat er zu unserem Interviewtermin nach Frankfurt mitgebracht. Für die weite Anreise aus der Alpenrepublik hätte die Reichweite von knapp 100 Kilometer mit einer Stromladung nicht ausgereicht und so durfte sich das Einzelstück noch huckepack auf einem Anhänger ausruhen, bevor der Chef selbst mit uns auf Testfahrt entlang des Main-Ufers ging.

Gut, dass es heute nicht regnet, denn der BamBoo ist als luftiges Lifestyle-Auto mit Stoffdach, aber ohne Seitenfenster für südliche Urlaubsgebiete gedacht. Derzeit laufen die Verhandlungen über eine Serienfertigung, und vielleicht werden wir ihn demnächst in größerer Stückzahl wiedersehen. Ob die bunten Motive vom Pop-Art-Künstler James Rizzi auf dem Dach und den Sitzen dem jetzigen Prototypen vorbehalten bleiben, wird man sehen, sie verleihen ihm auf jeden Fall einen sehr sympathischen Charakter.

Den besitzt auch sein Schöpfer, der Maschinenbauer, der bereits während seines Studiums mit dem Import von Sonnendächern aus den USA Geld verdiente. Danach machte Rinderknecht als Mitbegründer des Autotunings PS-starke Sportwagen noch schneller. Dass man auch ohne Benzin flott unterwegs sein und dabei viel Spaß haben kann, beweist der BamBoo, der von den Leistungsdaten her mit dem Smart Electric Drive vergleichbar ist.

Während der durchaus rasanten Fahrt erzählt uns der Gründer und CEO der Rinspeed AG, dass er privat seit einem Jahr „stolzer Fahrer“ eines MINI mit Elektroantrieb ist. Seiner Meinung nach gibt es aber einen Wermutstropfen: „In der Wahrnehmung fehlen Emotion und Wertschätzung.“ Dies kann man seinen ausgefallenen Studien nicht vorwerfen, an deren Entwicklung sich regelmäßig zahlreiche namhafte Zulieferer aus der Automobilbranche beteiligen.

Während bei Elektromobilen derzeit oft kleine Unternehmen mit innovativen Ideen glänzen, sieht er das Geschäft in naher Zukunft wieder zu den großen Herstellern zurückkehren: „In drei bis fünf Jahren werden kleine Firmen wie Tesla oder Fisker entweder nicht mehr existieren, aufgekauft oder bankrott sein.“ Rinderknecht meint, dass Elektromobilität nur der erste Schritt ist.

„Individualverkehr wird zukünftig an Wichtigkeit verlieren.“ Integrierte Mobilitätskonzepte wie das seiner letztjährigen Studie „UC?“, bei der kleine E-Autos in einer Art Autozug längere Strecken auf der Schiene überwinden, werden laut Frank M. Rinderknecht an Relevanz gewinnen. Er sieht aber auch das Potenzial von Mitfahrmöglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft. So könne man soziale Netzwerke wie Facebook stärker für die Planung gemeinsamer Fahrten nutzen, Mitfahrer darüber identifizieren und beispielsweise ihre Zuverlässigkeit – ähnlich wie bei eBay – bewerten.

Wie praktisch, dass der „Kühlergrill“ des BamBoo auch als Display für Nachrichten aus dem Internet dienen kann. Wir sind gespannt, was sich der umtriebige Schweizer als nächstes einfallen lässt, und freuen uns schon auf seine nächste Kreation, die er traditionell wieder Anfang März in Genf präsentiert. Verraten wollte er uns nur so viel: „Mir gehen die Ideen nicht aus!“

Noch mehr Fotos vom BamBoo und Frank M. Rinderknecht gibt es bei Flickr


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