Mitgliederschwund bei Mitfahrgelegenheit: Marktführer führt Provisionen ein

09 04 2013 | Dominik H. | Kategorie: Mobilitätskonzepte, Umleitung | 5 Kommentare

Mitfahrgelegenheit.de [Bild: @MFGde]
[Zuletzt von einigen Geräten gelöscht: Die Mitfahrgelegenheit-App. Bild: MFG.de]

#Aufschrei in der Welt der Ko-Mobilität: Seit Mitfahrgelegenheit.de Gebühren auf Langstrecken erhebt & einen Registrierungszwang für Mitfahrer eingeführt hat, melden sich die Nutzer reihenweise unter lautstarkem Protest vom bisherigen Marktführer unter den Mitfahrzentralen ab. Hat bezahlte Ridesharing-Vermittlung eine Zukunft?

Der Tathergang in Kurzform: Ende März hat sich Mitfahrgelegenheit.de von seinen bisherigen Paradigmen verabschiedet. Kostenlos und anonym war der Dienst bis dato. Ein Klick auf die Kleinanzeige genügte, um die Telefonnummer des Fahrtanbieters zu erhalten und sich für die gemeinsame Fahrt zu verabreden. Auf einen Schlag wurden die Nutzungsbedingungen allerdings radikal geändert: 11% Vermittlungsgebühr auf Fahrten über 100km sind nun fällig – und auch Mitfahrer müssen sich fortan registrieren.

Die Provision, die der Fahrer zu zahlen hat, kann direkt einbehalten werden oder wird wahlweise am Monatsende fällig – dazu müssen sich die Anbieter einer Fahrt samt Kontodaten & Bonitätsprüfung registrieren. Für die Registrierung als Mitfahrer ist eine Identitätsprüfung nötig – wozu allerdings nur eine aktuelle Handynummer und e-Mail-Adresse oder Kfz-Kennzeichen nötig sind.

Was dann folgte, ist (leider) ein Lehrstück dafür, wie man auf einen Schlag viele Nutzer vergraulen kann: Lautstarker Protest der Community, wenig Kommunikation seitens des Anbieters, reihenweise Abmeldungen vom Dienst. Sogar neue Angebote haben sich formiert, die die aufgebrachte Menge unter sich vereinen wollen (wie z.B. das bisher rudimentäre bessermitfahren.de).

MFGde Protest 1 MFGde Protest 2

Mit seinem bisherigen Erfolgsmodell hatte es Mitfahrgelegenheit.de zum unangefochtenen Marktführer gebracht: 4,4 Millionen Nutzer, die es gemeinsam auf durchschnittlich 75.000 Inserate schafften. Wo es in Zukunft hingeht, lässt sich noch nicht sagen: Der Protest auf der Facebook-Seite jedoch spricht für sich, wie die WELT einige Nutzerstimmen zitiert:

“Einfach nur erbärmlich. Hoffe, alternative Seiten sind auf den schnellen Zuwachs vorbereitet”
“Ihr habt nun einen Nutzer weniger. Tschüss!”
“Mitfahrgelegenheit wird’s schon schnell genug an den einbrechenden Inseratszahlen merken, wo der Hase langläuft”.

Darüber, wie groß der Mitgliederschwund tatsächlich ist, schweigt sich das Unternehmen (bisher) aus. Und auch die Gründe für die deftigen Provisionen werden nur sehr knapp erläutert: “Darum benötigen wir die Einnahmen: Der technische und personelle Aufwand (reibungsloser Betrieb und Weiterentwicklung der Seite, Kundenservice, mobile Apps), der hinter so einer Plattform steckt, kostet Geld. Und da sind Werbeeinnahmen keinesfalls ausreichend!” ist im aktuellen Facebook-Eintrag zu lesen.

Was wir uns fragen: Ist die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten ein Dienst, der Mehrwert schafft und daher auch Geld wert ist? Hätte man die Community in die Entwicklung neuer Nutzungsbedingungen einbinden können? Wie hätte man einen solchen Schritt kommunizieren müssen? Welche Provisionen wären ggf. angemessen?

Zu diesen und ähnlichen Fragen haben wir einen der Anbieter genannt, der auf Facebook, Twitter & Co immer wieder genannt wird, wenn es um Alternativen zu Mitfahrgelegenheit.de geht: flinc. Wir haben mit flinc-Gründer Benjamin Kirschner gesprochen – und die Antworten bekommt ihr morgen auf griin.de. Stay tuned! [EDIT: Ähm ja, da ist uns offensichtlich etwas dazwischen gekommen… Sorry! Der Beitrag kommt.]


Info & Share


    5 Kommentare


    1. EX-MFG`ler | 09 04 2013 | 23:48 Uhr

      Es geht weniger um die 11% Vermittlungsgebühr, sondern es geht um die Art und Weise und den Zwang des Buchungssystems, der zwar Sicherheit bringt, aber gleichzeitig eklatante Nachteile die den Sinn und Zweck einer MFG total entfremden!

      Zu allererst wäre hier zu nennen, dass durch das Buchungssystem ein Beförderungsvertrag zustande kommt (siehe neue AGB`s), was einen Fahrer quasi zum Taxifahrer macht. Darüber wird sich der Fiskus sehr freuen, da für Fahrer die Gefahr besteht, eventuelle Einnahmen versteuern zu müssen. Spätestens bei der nächsten Betriebsprüfun bei Carpooling.com weiß das Finanzamt genau, wer wie viel Geld eingenommen hat.

      Bisher war das nicht der Fall, denn ohne Buchungssystem kein Beförderungsvertrag und somit ging das ganze als Gefälligkeit bzw Nachbarschaftshilfe durch. Damit ists jetzt vorbei – rein rechtlich gesehen, müssten die Fahrer ihre Einnahmen bei der nächsten Steuererklärung angeben!

      Desweiteren geht der Sinn einer “MitFahrGelegenheit” total verloren. Der Fahrer hat nun keinerlei Chance seine Mitfahrer zu selektieren. Zum zweiten Mal heißt es – der Fahrer wird zum Taxifahrer. “Ey jo alter Krass kannste mich nicht dahin oder dorthin fahren, och alter bidde ey, wäre voll krass cool” – Typen kann ich so nicht mehr freundlich abwimmeln

      Zu guter letzt ist es praktisch unmöglich spontan Fahrten einzustellen oder zu “buchen”.

      Für mich jedenfalls bietet so MFG.de oder MFZ.de keinerlei Nutzen mehr und damit fahre ich allein (bis die Alternativen gut frequentiert sind)

      Ich würde es den Leuten bei Carpooling wirklich wünschen, dass die mit dieser Aktion richtig auf die Nase fliegen.

      Und um auf die 11% zurück zu kommen: Es ist nicht schlimm für einen guten Service geld zu zahlen ABER:
      – Warum keine Abofunktion (Premiumfunktionen etc für jährlichen Mitgliedsbeitrag – ich wäre gern bereit zu zahlen)
      – Warum ein BONITÄTSPRÜFUNG????????????????????? gehts noch? Eine Bonitätsprüfung wird im Schufa-Score registriert, das ist vielen nicht klar!
      – Warum so eine schlechte Kommunikation?
      – Warum ist das Gästebuch für neue User nicht mehr erreichbar (denn da begann der Shitstorm)
      – Warum keine ehrliche Stellungnahme?



    2. Dominik | 13 04 2013 | 14:16 Uhr

      Hallo Ex-MFGler, das sind tatsächlich sehr interessante & entscheidene Punkte! Bist du damit mal an MFG herangetreten? Wird darauf eingegangen? Denn das ist ja für alle Nutzer essentiell!

      griin.de



    3. Uwe | 15 04 2013 | 09:36 Uhr

      Für mich als 100%igen Bahnfahrer stört mich an diesem schrecklichen Buchungssystem vor allem Folgendes:
      Früher war es möglich, sich bei den Kosten eines Wochenendtickets (WE) einfach reinzuteilen, weil der Fahrtpreis untereinander ausgehandelt werden konnte. So musste ich als Käufer des WE-Tickets nur meinen Eigenanteil der Fahrt bezahlen und für alle (Mit-)Fahrer war das fair.
      Jetzt muss ich bei mitfahrgelenheit.de aber vor der Fahrt schon einen festen Preis für _jeden_ Mitfahrer angeben, egal, ob ich am Ende auch wirklich alle Plätze meines Tickets voll bekomme.
      Wenn also keine Idealbedingungen eintreten, mache ich entweder miese, oder ich muss den Mitfahrern schon von vornherein einen höheren Preis aufzwingen. Somit ist dieses System für Bahnfahrer extrem ungerecht geworden und soziales Aufteilen der Kosten nicht mehr wirklich möglich!
      Eine gute, wenn auch noch nicht voll ausgereifte Alternative habe ich aber schon gefunden: http://bahnbilliger.de/
      Ciao,
      UWe

      https://plus.google.com/111456037224513330152/posts



    4. Ich | 15 04 2013 | 14:48 Uhr



    5. max | 16 04 2013 | 20:43 Uhr

      Auf http://www.freie-mitfahrgelegenheit.de kann man dem wachsenden Netzwerk beitreten.

      freie-mitfahrgelegenheit.de



    Ihr Kommentar

    Sie können sich anmelden oder direkt einen Kommentar schreiben:





    Senden