Kreuzfahrten – Defizite beim Umweltschutz? Das sagen die Reedereien dazu.

28 06 2013 | Christian Sauer | Kategorie: Entwicklungen | 3 Kommentare

griin.de Kreuzfahrten Teil 2

[“AIDAluna” im Eidfjord / Norwegen; Foto: AIDA Cruises]

Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Berichterstattung mit den Vorwürfen des NABU gegenüber Kreuzfahrtschiffen und Reedereien wie AIDA Cruises beschäftigt haben, präsentieren wir heute die Argumente der Reedereien.

Stellvertretend für AIDA konterte die Cruise Lines International Association (CLIA), die Branchen-Vereinigung der Kreuzfahrtindustrie: Zum wiederholten Mal verwende der NABU in seiner Kampagne „Mir stinkt’s“ falsche Fakten und unzutreffende Vergleiche. So behauptet der NABU unter anderem, ein Kreuzfahrtschiff stoße so viele Emissionen aus wie fünf Millionen moderne PKW auf gleicher Strecke. Dieser Vergleich sei irreführend und falsch, wie unlängst unabhängige Experten wie Prof. Dr. Ing. Holger Watter vom Maritimen Zentrum der Flensburg University of Applied Sciences gezeigt hätten. Kreuzfahrtschiffe boten neben dem reinen Transport auch Hotelunterbringung, Gastronomie und Freizeitinfrastruktur. Diese Zusatzleistungen fließen in die Energiebilanz ein, was der NABU nicht berücksichtigt habe.

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[Eislaufbahn an Bord eines Kreuzfahrtschiffes von Royal Caribbean International; Foto: Royal Caribbean International]

„Offenbar legt der NABU in seiner Anzeigenkampagne gegen Kreuzfahrtschiffe mehr Wert auf Emotionen, anstatt mit sachlichen Informationen über Emissionen aufzuklären“, sagt Robert Ashdown, Director of Environment and Operations der Cruise Lines International Association Europe (CLIA Europe). „Kreuzfahrtschiffe gehören nachweislich zu den effizientesten Verkehrsmitteln im Hinblick auf CO2-Emissionen. Ein Kreuzfahrtschiff stößt pro Person ungefähr nur ein Sechstel der CO2-Emissionen aus wie ein PKW. Was andere Abgasemissionen anbelangt, wünscht sich der CLIA Europe, so komplexe Themengebiete wie Treibstoffe und Abgastechnologien faktenbasiert und konstruktiv zu diskutieren. Dazu können unabhängige Schifffahrtsexperten einen wichtigen Beitrag leisten.“

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[Kampagnenmotiv des NABU; Foto: NABU]

Kreuzfahrtschiffe machten laut CLIA in der weltweiten zivilen Schifffahrt nur 0,52 Prozent aus. Ihr Anteil an den globalen CO2-Emissionen sei daher vergleichsweise gering. Für die europäische Kreuzfahrtindustrie habe Umweltschutz große Priorität. Alle Mitglieder von CLIA Europe hätten sich zu einem schonenden Umgang mit der Umwelt verpflichtet und arbeiteten mit Nachdruck daran, ihre Umweltschutzmaßnahmen kontinuierlich weiter zu verbessern. Für die Verwendung von Schweröl mit hohem Schwefelanteil als Treibstoff habe sich die Kreuzfahrtindustrie auf ein klares stufenweises Ausstiegsszenario verständigt. Bis 2020 sollen die Regelungen der International Maritime Organization (IMO) für die Umstellung auf schwefelarmen Treibstoff in Europa umgesetzt werden, weltweit bis 2025. Einige Reedereien rüsten Teile ihrer Flotte sogar schon früher um. Gemäß dem Stufenplan der IMO ist bereits heute der Gebrauch von Schweröl mit hohem Schwefelanteil in EU-Häfen, in der Nord- und Ostsee sowie an der nordamerikanischen Küste verboten. Ab 2015 wird in der Nord- und Ostsee nur noch umweltschonenderer Dieselkraftstoff eingesetzt.

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[Die neue “Quantum of the Seas” von Royal Caribbean International soll noch mehr Freizeiteinrichtungen für Gäste bieten; Foto: Royal Caribbean International]

Die gesamte Schifffahrt sofort auf Marine-Diesel umzurüsten, sei laut CLIA aus ressourcentechnischen Gründen nicht möglich. Die derzeit verfügbaren Treibstoffkapazitäten reichten nicht aus, um die gesamte Schifffahrt mit Marine-Diesel zu versorgen. Die Kreuzfahrtindustrie habe schon jetzt große Fortschritte bei der Reduzierung des Schadstoffausstoßes und des Treibstoffverbrauchs gemacht und arbeite auch weiter an neuen, noch umweltschonenderen Lösungen. In den vergangenen 20 Jahren konnte der Treibstoffverbrauch von Kreuzfahrtschiffen pro Passagier um bis zu 70 Prozent verringert werden. In den kommenden Schiffsgenerationen werden zunehmend Duel-Fuel-Motoren eingesetzt. Diese Motoren werden nicht mehr mit Schweröl, sondern mit Schiffsdiesel und mit Flüssiggas betrieben. Gas hat den Vorteil, dass es keine Schwefeloxid-Emissionen erzeugt und der Ausstoß von Stickoxid um ca. 80 Prozent verringert wird. Partikel entstehen bei der Verbrennung von Gas erst gar nicht.

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[Auch so können Kreuzfahrten aussehen: mit Windkraft unter vollen Segeln – aber auch die Schiffe von Star Clippers haben natürlich Motoren an Bord; Foto: Star Clippers]

Bislang gebe es laut CLIA noch gar keine serienreifen Rußpartikelfilter für Kreuzfahrtschiffe. Die Kreuzfahrtindustrie arbeitet mit Herstellern daran, diese Technologie für ihre Schiffe nutzbar zu machen. Die Nachrüstung mit Rußpartikelfiltern sei aber in vielen Fällen technisch und aus Platzgründen nicht realisierbar. Parallel dazu würden alternative, aber genauso effektive Lösungen zur Abgasreinigung geprüft – zum Beispiel über Katalysatoren und Entschwefelungsanlagen. Die Kreuzfahrtindustrie unterstützt zahlreiche Forschungsprojekte zur Weiterentwicklung umweltschonender Technologien und Verfahren: zum Beispiel das von der Bundesregierung initiierte e4ships zur Entwicklung von Brennstoffzellen für Kreuzfahrtschiffe oder das EU-Projekt BunGas, bei dem es um sichere Lösungen für Gastanks bei Kreuzfahrtschiffen geht.

Wem oder was soll man nun glauben? Das wollen wir genauer wissen und haben deshalb ein Gespräch mit Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises vereinbart. Die Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland und frühere Umweltministerin Niedersachsens werden wir in Hamburg, an Bord der erst im März getauften “AIDAstella” treffen. Neben dem Interview erhoffen wir uns weitergehende Einblicke durch eine spezielle Schiffsbesichtigung mit dem Umweltoffizier des Ozeanriesen.


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    3 Kommentare


    1. Marius | 28 06 2013 | 10:55 Uhr

      Da sieht man mal wieder wie uns die Industrie an der Nase herum führt. Sie tun immer so, als wenn eine Reise auf See so umweltfreundlich ist. Aber weit gefehlt.

      fahrzeugforum-deutschland.de



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